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Einfach mal elektrisch


Parallel zum Produktionsstart in Düsseldorf stellte die Van-Sparte von Daimler den eSprinter in einer Roadshow vor. Die NFMRedaktion erhielt in Hamburg eine (Mit-)Fahrgelegenheit.


Eigentlich kann die Bilanz für den eSprinter nach einer Runde durch die Hansestadt Hamburg recht kurz ausfallen: Einfacher geht Auto- bzw. Transporterfahren derzeit nicht. Mit dem elektrischen Antrieb, des an sich bekannten Mercedes-Benz-Vertreters, kann sich der Fahrer fast vollkommen den Herausforderungen des heute so typischen Innenstadtverkehrs widmen – insbesondere wenn es darum geht, schwächere Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer nicht aus den Augen zu verlieren.
Doch verbirgt sich hinter dem eSprinter-Konzept inzwischen weitaus mehr, als der bloße Austausch der Antriebe und Energieträger. Natürlich soll auch der neue Mercedes-Benz eSprinter ein möglichst großes Anwendungsspektrum urbaner Logistik abdecken. So steht er zunächst als Kastenwagen und mit einem zul. GG von 3500 kg zur Verfügung. Sein maximales Ladevolumen beträgt, analog zum Sprinter mit Verbrennungsmotor, 10,5 m3. Der Elektroantrieb im eSprinter treibt die Vorderräder an und leistet wie das Diesel-Einstiegsaggregat 85 kW mit einem Drehmoment von bis zu 295 Nm. Ein flexibles Zulade- und Batteriekonzept soll darüber hinaus eine Anpassung an die individuellen Bedürfnisse für den Einsatz in der Praxis ermöglichen. So beträgt die Reichweite mit einer nutzbaren Batteriekapazität von 47 kWh (installiert: 55 kWh) rund 168 km, bei einer maximalen Zuladung von 891 kg. Eine zweite Batterieoption berücksichtigt andere Prioritäten bei den Einsatzparametern: Drei, statt vier, Batterieeinheiten mit einer nutzbaren Kapazität von 35 kWh (installiert: 41 kWh) ermöglichen eine Reichweite von rund 115 km. Im Gegenzug steigt die maximale Zuladung auf 1045 kg. Für Flexibilität sorgt auch die integrierte Schnellladefunktion, dank der innerhalb von 30 min rund 80 Prozent der Energie nachgeladen werden können. Auch die Höchstgeschwindigkeit lässt sich passend zum Einsatzzweck konfigurieren: auf ein maximales Tempo von 80 km/h, 100 km/h oder bis zu 120 km/h, wenn es schneller gehen muss.

Flexibilität ist schließlich ebenso Trumpf bei der wichtigen Disziplin der Rekuperation: Verschiedene Modi regeln den Grad der Rückgewinnung der beim Bremsen entstandenen Energie. Die vier, am Lenkrad wählbaren, Rekuperationsstufen „D-“, „D“, „D+“ und „D++“ werden über entsprechende Schaltpaddles ausgewählt. In der Fahrstufe D- wird das vorausschauende Fahren mit nur einem Pedal möglich. In der Stufe D++ „segelt“ der eSprinter. Die drei Fahrprogramme „E+“, „E“ und „C“ werden über den Fahrprogrammschalter in der Mittelkonsole ausgewählt. Je nachdem fährt der eSprinter entweder besonders sparsam oder legt den Fokus auf höheren Comfort, indem beispielsweise die Höchstgeschwindigkeit oder die Klimatisierung zugunsten einer höheren Reichweite angepasst werden. 

Vor dem Wechsel des Fuhrparks oder einem Teil davon auf elektrische Antriebe, ist es den Flottenbetreibern verständlicherweise wichtig eine genaue Analyse der Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Effizienz durchzuführen. Typische Fahrprofile, Einsatzzeiten, Reichweiten sowie Ladezeiten sind hier entscheidende Parameter – und unterliegen inzwischen einer ganzheitlichen Betrachtung. Im Rahmen seiner eDrive@VANs-Strategie hat Mercedes-Benz Vans diesem Bedürfnis Rechnung getragen und ein Ökosystem für die individuelle Mobilitätswende etabliert. Wesentliche Punkte des Services sind die Beratung bei der Auswahl des Fahrzeugs, die Unterstützung mit neuen Tools und die Betrachtung der Gesamtbetriebskosten. Mit seiner eVan Ready App und dem eCost Calculator verfügt Mercedes-Benz Vans nach eigener Aussage bereits über entsprechende Tools, die Unternehmern und Fahrern ermöglichen, anhand von Aufzeichnungen aller Fahrten über einen bestimmten Zeitraum herauszufinden, ob ein Elektrofahrzeug für ihren Einsatzbereich geeignet ist – und welche Einsparungen sich daraus ergeben würden.

In zahlreichen Kundengesprächen stellten sich jedoch, vor allem bei größeren Flotten, Fragen zur Ladeinfrastruktur: Können alle Fahrzeuge gleichzeitig am Betriebshof geladen werden? Reicht die aktuelle Stromversorgung aus oder sind zusätzliche Installationen erforderlich? Schließlich geht es bei der Entscheidung zum Umstieg auch um den Investitionsbedarf, der auf Fuhrparks zukommt – und Einsparungen, die dem entgegenstehen. Der gemeinsam von Mercedes-Benz Vans mit Kunden entwickelte eCharging Planner soll genau diese Fragen in drei Schritten beantworten. Dazu nimmt das webbasierte Tool eine auf den Betrieb zugeschnittene Analyse für den Umstieg von konventionellen auf batterieelektrische Fahrzeuge vor.

Im ersten Schritt werden die für das Energiemanagement relevanten Bedingungen erfasst: Unter anderem die notwendige Größe von Fahrzeugen und Fuhrpark, die typischen Einsatzzeiten, der potenzielle Energieverbrauch sowie die Gegebenheiten am Betriebssitz. Dabei berücksichtigt der eCharging Planner auch Elektrofahrzeuge von Fremdfabrikaten, da nur die Gesamtzahl an Batteriefahrzeugen im Fuhrpark eine aussagefähige Analyse zur notwendigen Ladeinfrastruktur zulässt. In einem zweiten Schritt analysiert der eCharging Planner, bezogen auf die konkrete Einsatzsituation, die Eignung und den Einsatz der peripheren Dienstleistungen und Produkte von Mercedes-Benz: die Wallbox, die Mercedes PRO-Services sowie das Intelligente Lademanagement. Schritt drei bezieht die lokalen Gegebenheiten in die Rechnung ein: darunter fallen notwendige bauliche Maßnahmen am Betriebshof ebenso wie die elektrischen Parameter Netzanschlussleistung, potenzielle Lastspitzen oder die Installation von Stromverteilern. Im Ergebnis stellt der eCharging Planner das individuelle Ergebnis für jeden Nutzer dar. Investitions- und Betriebskosten der Umstellung werden den möglichen Einsparungen gegenübergestellt, um daraus die voraussichtliche Amortisationsdauer zu ermitteln. 

Neben Analyse und Beratung bietet Mercedes-Benz auch Hardware- Lösungen für die Ladeinfrastruktur: Für Einzelkunden ist die Mercedes-Benz Wallbox Home in kompaktem Design im Teilverkauf erhältlich. Sie muss von einem, vom Kunden frei wählbaren, fachkundigen Elektriker gemäß den lokalen Vorschriften installiert werden. Noch umfangreicher ist das Angebot für Kunden mit mehr als zwei Fahrzeugen an einem Standort: Mit dem Ladeinfrastrukturangebot für Flottenkunden begleitet Mercedes-Benz Vans Fuhrparks, gemeinsam mit einem ausgewählten Partner, von der Beratung und der Standortvorbereitung über die Installation der Lade-Hardware bis hin zu Wartung und Support. Für Flottenkunden in Deutschland wird zusätzlich eine intelligente Ladelösung mit Vernetzung von Fahrzeug und einer kompatiblen Ladesäule angeboten. Dadurch können Lastspitzen vermieden oder zumindest reduziert und damit Kosten eingespart werden.

Von Anfang an sollen eSprinter-Kunden auch in den Genuss des im März 2019 eingeführten Mehrwertpakets von Mercedes PRO connect kommen, von dem speziell Flottenbetreiber profitieren, die elektrisch angetriebene Fahrzeuge in ihren Fuhrpark integrieren möchten. So umfasst das Mehrwertpaket „Digitalisiertes eVan Management“ zwei Dienste, die alternativ voneinander angewendet werden können. Dank des Services „Ferngesteuertes Lademanagement“ ist es beispielsweise für den Nutzer möglich, bereits vor Fahrtbeginn Fahrzeuge zu temperieren. Dadurch kann die für die Klimatisierung benötigte Batterieladung reduziert und für eine größere Reichweite eingesetzt werden. Neben dem Fahrer erhält auch der Flottenmanager im Fahrzeugmanagementtool alle relevanten Informationen zur Batterieladung und Klimatisierung. Als zweiten, spezifischen Dienst für batterieelektrische Transporter bietet Mercedes PRO connect den Service „Intelligentes Lademanagement“ an, bei dem Flottenmanager eine Elektrofahrzeugflotte gestaffelt laden und die notwendige elektrische Anschlussleistung minimieren können. Zudem lassen sich Einstellungen zur Abfahrtszeit und Vorklimatisierung vom Flottenmanager über das Fahrzeugmanagementtool vornehmen und vom Fahrer über die Mercedes- PRO-connect-App abrufen. Die intelligente Infrastruktur nimmt diese Werte auf und startet daraufhin gestaffelt das Aufladen und die Vorklimatisierung der Elektrofahrzeuge.

Parallel zur deutschlandweiten Roadshow startete Daimler Mitte Dezember im Rahmen einer Veranstaltung für Mitarbeiter und geladene Gäste in Düsseldorf die Serienfertigung des eSprinter. Als Ehrengäste würdigten Armin Laschet (Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen) und Thomas Geisel (Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf) diesen Schritt und das Engagement von Mercedes-Benz in Düsseldorf. Dr. Armin Willy (Standortverantwortlicher und Leiter Mercedes-Benz Werk Düsseldorf) begrüßte als Gastgeber sowohl die Gäste und Mitarbeiter als auch Marcus Breitschwerdt (Leiter Mercedes-Benz Vans) und Ingo Ettischer (Leiter Mercedes-Benz Vans Operations).



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